Rechenwege dahinter

Unser Dienstleistungsrechner für die Beautybranche ist natürlich ein Kompromiss aus „einfach anzuwenden“ und „jede Einstellung muss drin sein“. Für uns ist es wichtig, dass ihr ein Gefühl für die Zusammenhänge bekommt und damit besser mit Statistiken und Preisen umgehen könnt. Der Rechner ist nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern ein erster Schritt in diese Richtung. Allerdings ist eine solche Lösung schon oft sehr nahe an der Wahrheit und unterscheidet sich im Ergebnis oft kaum von wesentlich komplexeren Herangehensweisen.

Ziel eines solchen Rechners ist es immer auf einen Nettoverkaufspreis zu kommen, der alle Kosten und Gewinnerwartungen deckt. Damit das Ganze mit den Verkaufspreisen vergleichbar wird (die man ja meist mehr im Kopf oder in der Preisliste hat), haben wir das danach wieder auf einen Bruttopreis hoch gerechnet. Dazu später mehr.

Kosten

Berechnung der Arbeitszeit pro Jahr

Hier kommt es darauf an, möglichst nahe an die tatsächlichen Arbeitsminuten pro Jahr zu kommen. Um es einfach zu halten, haben wir uns dafür entschieden, die Wochenarbeitszeit abzufragen. Das erspart euch die Tagesberechnung und das Wissen über die durchschnittliche Tagesarbeitszeit. Die Wochenarbeitszeit sollte jeder wissen bzw. laut Arbeitsvertrag schnell herausfinden können. Das Jahr hat 52 Wochen. Wir ziehen davon 6 Wochen Urlaub, 1 Woche Krankheit und 1 Woche Puffer ab. Also 52 – 8 Wochen = 44 Wochen als Basis. Ab dann ist es einfach.

Ein kleines Beispiel:

Man nimmt die Arbeitsstunden pro Woche – z.B. 40 Arbeitsstunden pro Woche x 44 Wochen im Jahr x 60 min. Das wären dann 105.600 Minuten pro Jahr. Über die Auslastung lässt sich das ganze dann korrigieren. D.h. sollte die Auslastung beispielsweise 80 % sein, bleiben 84.480 Minuten pro Jahr übrig.

Tipp: Wir empfehlen, dass sich die Chefs und Chefinnen dort eintragen und nicht über den Gewinnaufschlag einkalkulieren. Schreibt euch das Gehalt rein, was ihr verdienen möchtet oder verdient habt. Dann ist das etwas getrennt vom Gewinnaufschlag, der dann auch für Rücklagen, etc. verwendet werden kann.

Personalkosten

Die Kosten für Mitarbeiter sind ein wesentlicher Kostentreiber im Dienstleistungsbereich (z.B. Friseur, Kosmetiker, Nagelstudio, Spa usw.). Was auch viele Mitarbeiter immer wieder vergessen ist, dass der Arbeitgeber nicht nur den Lohn bezahlen muss, sondern auch noch einen ganzen Batzen an Lohnnebenkosten. Wir kalkulieren diese bei uns mit 22 % oben drauf. Für Deutschland ist das schon mal ein guter Wert. Sollten eure individuellen Kosten höher oder niedriger sein, solltet ihr diese einfach bei der Gehaltsangabe entsprechend erhöhen oder senken. Das gilt auch für Österreich und Schweiz. In Österreich können die Lohnnebenkosten durchaus höher sein und in der Schweiz weit darunter.

Gemeinkosten

In diesen Block packt ihr alle Kosten, die so im Salon bzw. Studio anfallen (als netto Betrag pro Jahr). Wir haben extra mehrere Felder eingearbeitet, damit ihr die wichtigsten Kostentreiber auf keinen Fall vergesst. Im Feld „Sonstige“ könnt ihr noch den ganzen Rest rein packen.

  • Wasserkosten: Die Wasserkosten solltet ihr auf eurer Jahresabrechnung finden. Die Kosten für Wasser liegen bei einem durchschnittlichen Friseursalon mit 4 Mitarbeitern bei ca. 3.000 €/ Jahr.
  • Stromkosten: Auch bei den Stromkosten nehmt ihr euch am besten die Stromabrechnung vom letzten Jahr zur Hand. Die Stromkosten liegen bei einem durchschnittlichen Friseursalon mit 4 Mitarbeitern bei ca. ca. 3.000 €/ Jahr.
  • Steuerberaterkosten: Falls ihr nicht sicher seid, wie hoch eure Steuerberaterkosten sind, könnt ihr euch am Steuerberater Rechner orientieren. Falls ihr keine Ahnung habt, könnt ihr 1000 € als Wert ansetzen, das entspricht einem Jahresumsatz von ca. 20.000 €.
  • Sonstiges: Bei den sonstigen Kosten solltet ihr nichts vergessen. Einige Beispiele:
    • Telefon & Internet
    • EDV-Kosten
    • Marketing/Werbung
    • Bank
    • Zeitungen & Zeitschriften
    • Getränke
    • Rundfunkgebühren
    • Dekoration
    • EC Terminal
    • Versicherungen
    • Müllabfuhr
    • Leasing
    • Kredite

Gewinnaufschlag

Der Gewinnaufschlag ist voreingestellt mit 10 %. Ihr könnt hier rein packen, was ihr wollt. Wichtig: Solltet ihr als Chefs nicht schon eure Gehalt unter Personal eingegeben haben, dann müsste der Gewinnaufschlag entsprechend hoch sein… Wir empfehlen aber, dass alle Gehälter unter Personal eingegeben werden. Kurze Anmerkung zur Berechnung. Der Gewinnaufschlag wird so berechnet, dass dieser im Endbetrag drin ist.

Ein kleines Beispiel:

Bei 100 € Kosten (= Personal und Gemeinkosten) + 10 % Gewinnaufschlag wäre der Mindestpreis also:
100 € x 100/90 = 111,11 €.

 Bruttoverkaufspreis

In unseren Berechnungen kommt im Prinzip ein Nettoverkaufspreis pro Minute raus. Um die Beträge vergleichen zu können mit den Bruttoverkaufspreisen rechnen wir hier den Steuersatz drauf, der hinterlegt ist – für Deutschland z.B. 19 %. Diesen Bruttoverkaufspreis rechnen wir dann auf eine Stunde hoch, damit man sich besser etwas vorstellen kann.

Spielwiese

Auf der Spielwiese könnt ihr nun eure Dienstleistungen eingeben und miteinander vergleichen. Viele Preisrechnern rechnen den Materialeinsatz als Pauschale in die Kosten ein. Wir sind da anderer Meinung. Denn jede Dienstleistung in der Beautybranche hat einen anderen Materialeinsatz. Deshalb ist dieser erst pro Dienstleistung einzugeben. Ihr könnt natürlich auch eure Preise nehmen und Pauschalen hinterlegen, wenn alle Dienstleistungen ungefähr gleich sind. Dann könnt ihr diese auch bei den sonstigen Gemeinkosten rein packen.

Tipp: Im Prinzip geht es bei der Spielwiese darum, Dienstleistungen zu finden, die evtl. sehr „wertvoll“ für euch sein können und evtl. auch noch gut kombinierbar mit anderen Dienstleistungen.

FAQ – Annahmen und Regeln: Woher der Rechner seine Zahlen nimmt

Eure Daten

Welche Dateien braucht der Rechner – und was holt er aus welcher?

Drei Exporte aus studiolution, jeder mit einer klaren Aufgabe. Das Journal (Finanzen → Finanzberichte) liefert, was wirklich passiert ist: welche Leistung wie oft zu welchem Preis kassiert wurde, wie viel Zeit ihr damit verkauft habt, wie viele Kund:innen wiederkommen und wie bezahlt wurde. Das Leistungsverzeichnis (Einstellungen → Leistungsverzeichnis, Excel) liefert, was gelten soll: die Dauer jeder Leistung (inklusive Nachbereitungszeit) und ihren Standardpreis. Die Mitarbeiter-Statistik ist optional und liefert die Auslastung pro Person – braucht ihr aber nur, wenn das Journal dafür nicht reicht. Ein Monat Journal genügt zum Start; mit bis zu zwölf Monaten kommen zusätzliche Auswertungen dazu.

Warum rechnet die Spielwiese nur mit den letzten 3 Monaten, obwohl ich 12 Monate hochgeladen habe?

Weil Preise und Mengen von heute zählen, nicht die vom letzten Winter. Bei Journalen über etwa 100 Tagen nimmt die Spielwiese für den bezahlten Durchschnittspreis und die Verkaufsmengen nur die letzten 90 Tage – ältere Preisstände würden den Durchschnitt sonst nach unten ziehen und aussehen wie Rabatte. Das ganze Jahr geht trotzdem nicht verloren: Saisonverlauf, Wiederkehrer-Quote, Teamveränderungen und die letzte erkennbare Preisrunde stehen im Report-Kapitel „Dein Jahr“, das ab sechs Monaten Journal erscheint.

Wie kommt der Rechner auf meine Auslastung aus dem Journal?

Er zählt die verkaufte Zeit: Für jede kassierte Leistung Dauer mal Menge, pro Mitarbeiter:in zusammengerechnet und ins Verhältnis zur eingetragenen Arbeitszeit gesetzt. Dafür braucht er die Dauern aus dem Leistungsverzeichnis – Leistungen ohne Dauer können nicht mitzählen. Wenn ihr stattdessen die Mitarbeiter-Statistik hochladet, seht ihr oft höhere Werte: Die Termin-Auslastung dort zählt eingeplante Puffer mit, die Kasse kennt nur die tatsächlich verkauften Minuten. Beides ist richtig, es sind nur zwei verschiedene Blickwinkel. Der Rechner schlägt die Journal-Werte als Klick-Chip vor und überschreibt eure Eingaben nie stillschweigend.

Was passiert mit meinen Dateien – was wird gespeichert?

Alles bleibt in eurem Browser. Die Dateien werden dort gelesen und ausgewertet, an uns wird nichts übertragen – wir zählen lediglich anonym, wie oft Funktionen wie „Journal importiert“ genutzt werden, ohne Inhalte. Mit dem Schalter „Im Browser speichern“ merkt sich der Rechner eure Eingaben und Ergebnisse auf diesem Gerät, damit ihr beim nächsten Besuch weitermachen könnt. Die Rohdaten des Journals werden dabei nicht gespeichert, nur die berechneten Ergebnisse. „Alle Eingaben zurücksetzen“ löscht alles wieder.

Was macht der Rechner mit Trinkgeld, Produkten, Gutscheinen und Stornos?

Raus damit – in allen Preisrechnungen zählen nur Dienstleistungen (Eigenleistungen). Stornierte Buchungen werden ignoriert, Produktverkäufe und Gutscheinbewegungen ebenfalls. Trinkgeld wird in studiolution als Leistung gebucht, ist aber kein Umsatz: Der Rechner rechnet es aus allen Preisen und Auswertungen heraus und zeigt es im Report nur separat, als das, was erfasst wurde. Positionen unter 5 € lässt die Spielwiese außen vor, weil das fast nie eigenständige Leistungen sind.

Preise und Rabatte

Was ist der Unterschied zwischen Ziel-VK, Kostendeckung und Polster?

Der Ziel-VK ist der Preis, den eine Leistung nach eurer Kalkulation kosten müsste: Dauer mal Minutenpreis (Personal- und Gemeinkosten inklusive Gewinn- und Sicherheitszuschlag) plus Material, brutto. Die Kostendeckung ist dieselbe Rechnung ohne den Gewinnzuschlag – ab hier zahlt ihr nicht mehr drauf, verdient aber auch nichts. Das Polster ist, was vom bezahlten Preis netto über den Kosten bleibt. Daraus ergeben sich die Farben in der Spielwiese: Rot heißt „nicht einmal kostendeckend“, Orange heißt „deckt die Kosten, aber das Polster fehlt“, ohne Farbe liegt die Leistung auf oder über dem Ziel-VK.

Woher kommt der Standardpreis, woher der bezahlte Preis – und wie entsteht daraus der Rabatt?

Der Standardpreis kommt ausschließlich aus dem Leistungsverzeichnis – also eurer heutigen Preisliste. Der bezahlte Preis ist der Durchschnitt aus dem Journal der letzten drei Monate. Liegt der bezahlte Preis darunter, ist die Differenz mal Verkaufsmenge euer Rabatt. Nur echte Rabatte zählen: Wo ihr mehr kassiert habt als in der Preisliste steht, etwa durch Aufpreise, wird das nicht gegengerechnet. Ohne Leistungsverzeichnis gibt es deshalb keine Rabatt-Auswertung – aus dem Journal allein lässt sich nicht erkennen, was der Preis eigentlich hätte sein sollen.

Was bedeutet die Preis-Durchsetzung?

Sie beantwortet eine Frage: Von 100 € laut Preisliste – wie viel kommt an der Kasse wirklich an? Dafür wird der Standardpreis-Umsatz aller Leistungen um die tatsächlich gewährten Rabatte gekürzt, gewichtet nach Verkaufsmenge. Wichtig: Nur Rabatte zählen. Wo ihr mehr kassiert habt als in der Preisliste steht – Aufpreise, Zuschläge – wird das nicht gegengerechnet, sonst würde ein Salon mit 900 € Rabatten und 800 € Zuschlägen bei „100 %“ landen. Ab 97 % zeigt der Ring Grün, ab 90 % Gelb, darunter Rot. Der Report richtet seine Rabatt-Empfehlungen nach genau dieser Zahl: Bei Grün gibt es keinen Rabatt-Alarm, egal wie viele Einzelrabatte im Journal stehen.

Ich habe gerade meine Preise erhöht – verfälscht das die Rabatt-Zahl?

Ohne Gegenmaßnahme ja: Buchungen vor der Erhöhung würden gegen den neuen Standardpreis wie Rabatte aussehen. Deshalb sucht der Rechner beim Import pro Leistung nach genau diesem Muster – ab einem Stichtag dauerhaft ein höherer Preis, der alte Preis kommt danach praktisch nicht mehr vor. Findet er das, zählt für Durchschnittspreis, Rabatt und Preis-Durchsetzung nur noch, was ab dem Stichtag gebucht wurde; ihr seht dann den Hinweis „Preisrunde am … erkannt“. Zwei Grenzen sind gewollt: Erkannt werden nur Erhöhungen, und es braucht mindestens fünf Buchungen vor und nach dem Stichtag – eine Erhöhung von vorgestern kann der Rechner noch nicht sicher von ein paar Sonderpreisen unterscheiden. Dann ist die Rabatt-Zahl für einen Import ein paar Euro zu hoch und stimmt beim nächsten wieder.

Warum steht bei manchen Leistungen „Dauer prüfen“ statt einer Preisempfehlung?

Weil eine Empfehlung wie „Pony schneiden für 87 €“ niemandem hilft. Liegt der kalkulierte Mindestpreis einer Leistung mehr als fünfmal über ihrem tatsächlichen Preis, steckt der Fehler fast immer in der hinterlegten Dauer – etwa 60 Minuten für eine Leistung, die zehn dauert, oder ein Paketpreis, der unter einem Einzelnamen gebucht wird. In diesen Fällen sagt der Rechner das offen, statt eine absurde Preiserhöhung vorzuschlagen. Aus demselben Grund macht er keine Empfehlungen für Lücken unter 50 Cent.

Urteil und Report

Wie kommt die Ampel im Report zustande?

Die Ampel beurteilt eure Mischkalkulation, nicht jede Leistung einzeln: Was habt ihr über alle verkauften Leistungen netto pro verkaufter Minute tatsächlich eingenommen – und reicht das für den kalkulierten Minutenpreis? Grün: Es reicht inklusive Gewinnzuschlag, oder keine Leistung liegt unter dem Ziel-VK. Gelb: Die Kosten sind gedeckt, aber das Polster fehlt – oder nur ein kleiner Teil der Leistungen liegt unter dem Ziel-VK. Rot: Die Mischung trägt nicht. Dafür braucht der Rechner mindestens drei verkaufte Leistungen, und Leistungen mit Dauer müssen den Großteil des Umsatzes ausmachen. Fehlen zu viele Dauern, sagt er das lieber, als ein Urteil zu raten: „Noch kein Urteil möglich“.

Was ist der Kreuzcheck „Kasse gegen Eingaben“?

Eine Plausibilitätsprüfung: Aus eurem Journal weiß der Rechner, wie viele Stunden ihr tatsächlich an Kund:innen verkauft habt. Aus eurer Eingabe – Arbeitsstunden mal Auslastung – weiß er, mit wie vielen Stunden er kalkuliert. Passen beide nicht zusammen (mehr als die Hälfte Abweichung), ist eine Seite falsch: meist zu optimistische Auslastung oder Stunden, die nicht zur Realität passen. Der Report zeigt den Widerspruch als eigenes Band, bietet die Journal-Werte zur Übernahme an und bremst seine Preisempfehlungen so lange, weil ein Mindestpreis auf falschen Stunden nichts wert ist.

Woher kommen die Branchenwerte – und warum fehlen sie manchmal?

Alle Vergleichszahlen – Auslastung, Umsatz pro Terminstunde, Durchschnittsbon, Umsatzverlauf der Branche – kommen aus BranchenPuls, getrennt nach Friseur und Kosmetik sowie nach Einzelkämpfer:innen und Teams. Sie sind Orientierung, kein Maßstab; euer Mindestpreis kommt aus eurer eigenen Rechnung. Wer im ersten Schritt „Andere“ wählt, bekommt keine Vergleiche, weil ein Nagelstudio oder eine Physiopraxis sich nicht mit Friseuren messen sollte. Bei Schweizer Franken lassen wir die Euro-Vergleiche ebenfalls weg – Prozentwerte wie die Branchen-Auslastung bleiben.

Grenzen

Was rät der Rechner bewusst nicht?

Er rät keine Dauern: Eine Leistung ohne Dauer rechnet nicht mit und wird als solche gezeigt – bei umbenannten Leistungen mit einem Hinweis, aber nie mit einer Schätzung. Er schätzt keinen Standardpreis aus dem Journal, weil häufige Preise auch häufige Rabatte sein können. Er ignoriert Einträge der Mitarbeiter-Statistik mit weniger als 20 % Zeitanteil, weil das Aushilfen oder Ausgeschiedene sind. Er erfindet keine Preisempfehlungen, wo die Dauer offensichtlich falsch ist, und keine für Lücken unter 50 Cent. Und er gibt kein Urteil ab, wenn die Datenbasis zu dünn ist. Lieber eine ehrliche Lücke als eine falsche Zahl – das ist die Regel hinter allen Regeln.